Pfarrei
Pfarrgeschichte
Rundgang durch die Wolfgangskirche
Rundgang durch die Wolfgangskirche
An der Raumwirkung und an der Ausstattung einer Kirche lässt sich erkennen, wie eine Gemeinde ihren Glauben und sich selbst versteht. Die Wolfgangskirche ist dafür ein gutes Beispiel. Diese Beschreibung will keinen Kirchenführer ersetzen, sondern auf Besonderheiten deuten.
Der Raum
Beim Eintreten empfängt uns mystische Dunkelheit, unter den schweren Steinbögen wird es hell. Man wird angezogen von der gewaltigen Höhe des Kreuzraums. Nach dem Dom gehört er zu den gewaltigsten Räumen Ostbayerns. Die Kassettendecke befindet sich in 23 Meter Höhe. Niederkirche und Hochkirche sind in ihrer Grundfläche gleich groß, bilden aber zwei völlig geartete Raumteile, sie symbolisieren die beiden Naturen Christi: Gott und Mensch. Ihr gegenseitiges Kräftespiel gilt als die spektakulärste Raumerfindung Böhms. Sodann beeindrucken die hellen Wandflächen. Was vielen schmucklos erscheint, ist in Wirklichkeit Ausdruck tiefster, jenseitsbezogener Darstellung. Der Gottesstadt ist eigen, kein Beiwerk zu benötigen, nicht einmal Mond oder Sonne zum Leuchten. In ihr ist die alte Schöpfungsordnung aufgehoben, denn Gott selbst ist ihr Schmuck. Darum bedarf die Wolfgangskirche keiner Dekoration, die unser Gottesbild in eine bestimmte Richtung lenken würde. Zudem schildert die Bibel die Leere als Ort einer besonders intensiv erfahrbaren Gottesgegenwart, so in der Wüste oder in der Einsamkeit. Die Wolfgangskirche lebt ausschließlich aus elementaren Vorstellungen und erreicht dadurch ihre Monumentalität. Auch das Symbol des Lammes fehlt nicht, das der Gottesstadt eigen ist: Johannes trägt es.
Die Rundfenster
Die farbenfrohe Westrosette wirkt wie ein riesiger Edelstein. Sie ist aus 17.300 Einzelteilen zusammengesetzt. Die märchenhafte Sinfonie der Farben konzentriert sich auf den geheimnisvollen Dreiklang, der den Glasmalereien des Mittelalters eigen war: das Rot, das damit kontrastierende Grün und das satte, tiefe Blau. Dazwischen flirren goldgelbe Splitter. Gold ist die Farbe göttlicher Majestät. Im Zentrum der Rose, in dem ein Kreuz eingeschrieben ist, flimmern die Gläser brillierend um die Wette und mischen sich zu einem prickelnden Feuerwerk. Die strenge Geometrie des Rundfensters besteht aus dem Blütenkern, es folgt eine doppelte Reihe von Rosenblättern und außen ein Kranz von zwölf Kreuzscheiben. Dominikus Böhm schuf ein Dutzend kolossaler Radfenster in stetiger Weiterentwicklung. Die prachtvolle Chorrose von St. Wolfgang gilt als seine schönste. Unter dem Rosenfenster öffnet sich der größte Orgelprospekt unserer Diözese. Über zwölf Meter Breite beträgt die Fassade der Pfeifen. Die vier Rosenfenster geben der Pfarrgemeinde wie Sterne oder Kompass Orientierung auf dem Weg durch die Zeit.
Das Wolfgangshochgrab
Das Hochgrab des Titelheililgen in der Mittelachse der Kirche wurde nach der Wolfgangstumba in St. Emmeram ausgeführt. Bischof Wolfgang trägt jugendliche, ideale Gesichtszüge im Christusalter, er ist lebend und mit fürstbischöflichem Ornat dargestellt. Wolfgang wirkte 22 Jahre lang als Bischof von Regensburg, gründete das Bistum Prag und starb 70-jährig am 31. Oktober 994.
Dort, wo das Herz schlägt, wurde 2004 eine Reliquie des heiligen Wolfgang in die steinerne Liegefigur eingefügt. Im Schauglas ist die lateinische Inschrift eingraviert: Sepulcrum Sancti Wolfgangi episcopus, Grab des heiligen Bischof Wolfgang. Hier ist ein Ort der Erinnerung, an dem die Gläubigen die Nähe und Fürbitte unseres Pfarrpatrons besonders verspüren. Zum Abschluss unseres kleinen Rundgangs bietet sich ein Besuch in der Taufkapelle an.
Petrus in der Reue
Beim Eintritt in den Kapellentrakt treffen wir auf ein beachtliches Werk des deutschen Expressionismus: Der hl. Petrus zwängt sich in eine Wandnische. Es handelt sich um eine meisterhaft gelungene Bronzeplastik (1947) von Gottfried Böhm (geb. 1920), Sohn des Kirchenarchitekten. Als bisher einziger Deutscher erhielt er den Nobelpreis in Architektur. Mit dieser Figur nahm er nach dem Krieg den Stil eines Ernst Barlach wieder auf und entwickelte ihn weiter. Das Dritte Reich hatte diese Kunstrichtung geächtet.
Das Baptisterium
Die Taufkapelle ist ein besonders kostbares Juwel, das mit einem historischen Ereignis verknüpft ist: Seine Eminenz Joseph Kardinal Ratzinger, damals Präfekt der Glaubenskongregation, segnete das renovierte Baptisterium am 31. Oktober 2001, drei Jahre vor seiner Papstwahl. Eine Tafel am Eingang zur Taufkapelle kündet von dieser Benediktion, es ist wohl der einzige Sakralraum in der Diözese, den der spätere Papst weihte. Das Baptisterium zeichnet sich wie der Kirchenbau insgesamt durch die Vollkommenheit in den Proportionen aus. Durch die Kuppel wird im Raumkörper eine exzellente Klangwirkung erzielt.
Wenden wir uns nach diesem Ausflug in die Kunstwelt einer Tragödie in der Pfarreigeschichte zu, denn die Pfarrkirche wird - kaum aufgebaut - im Dezember 1944 durch einen Luftangriff schwer beschädigt.
Geschichte der Pfarrei
- Die Errichtung der Pfarrei 1921
- Die Notkirche 1922 – 1937
- Baumeister Dominikus Böhm aus Köln
- Kirchenbau in der NS-Zeit 1938 - 1940
- Der "Dom von Kumpfmühl"
- Rundgang durch die Wolfgangskirche
- Zerstörungen im 2. Weltkrieg
- St. Wolfgang wird größte Pfarrei
- Frische nach dem II. Vat. Konzil
- Der Bau des Pfarrheims 1996 - 1998
- Das Ergebnis: Einheit von Raum u. Licht
- Die Jahrtausendwende
- Die Kirchenrenovierung 2001 - 2005
- Was bringt die Zukunft?