Rückblick auf die „gottesdienst-lose“ Zeit des Corona-Virus

Vier Wochen vor dem Osterfest traf es uns alle wie ein Blitz, mit voller Wucht, wie eine Katastrophe: Ab 17. März 2020 durften die Gläubigen nicht mehr die Hl. Messen mitfeiern. Schon vier Tage davor, ab 13. März, mussten unsere beiden Kindergärten (bis auf eine Notgruppe) geschlossen werden.

Zum Problem wurde dabei das Verfassen der zum Druck anstehende Osterrosette, da sie wegen der täglich neuen Beschränkungen und Absagen dreimal umgeschrieben werden musste. Doch es kam für viele noch schwerer und erdrückender: Kurzarbeit, Ladenschließungen, Arbeitslosigkeit, Angst vor dem Virus, Ausgangsbeschränkungen. Das Alltagsleben war wie tot. Auch das Pfarrheim, wo sich täglich viele unserer Gruppen treffen, musste geschlossen werden. In diesen ersten sieben Wochen der Kontaktarmut versuchten wir immer wieder, Verbindung zu den Pfarrangehörigen zu halten, soweit das eben ging: Das war einmal unsere Homepage, die sehr oft angeklickt wurde, dazu gab es täglich auch einen geistlichen Impuls zu den Schriftlesungen des Tages, wo wir ein wenig verkosten vom Reichtum der Heiligen Schrift.

Pfarrer Alois Möstl sprach am 21. März auf YouTube ein Trostwort, das viele Male gesehen wurde. Am Palmsonntag lagen 200 Palmbuschen aus, mit Liebe daheim von Familien des Familienkreises Lichtblick gebastelt. Osterbeichten waren beim vorgeschriebenen Mindestabstand in unseren Beichtstühlen nicht möglich, die Gläubigen wurden zu einer Reuebeichte aufgerufen, ebenso sollen sie die heilige Kommunion geistig empfangen. Für unsere Fleißigsten warteten 100 Ostereiertüten in der Wolfgangskirche aufs Mitnehmen: für die Chormitglieder, für das Schmuckteam des Frauenbundes, für das Büchereiteam und die Kirchenputzgruppe, und jeder Ministrant holte sich seinen lila Schokohasen ab.

Die Gottesdienste an den drei Kartagen wurden im Internet übertragen und jeweils über 800 Mal aufgerufen, danke dem Übertragungs- und Aufnahmeteam Andreas Jäger, Matthias und Valentin Schatz. Da oft die ganze Familie diese Liturgie verfolgte, waren es weitaus mehr Mitfeiernde. Sie können auch jetzt noch auf unserem YouTube-Kanal nochmals gesehen werden.

Liturgie am Karfreitag: https://youtu.be/m9uEboWfS-0

Feier der Osternacht: https://youtu.be/4T2sp83goLw

Am Ostersonntag gab es dann das geweihte Ostertaufwasser zum Abholen, immer war es ein kleiner, persönlicher Ostergruß, dann gab es kleine Weihwasser-Fläschchen in der Pfarrkirche zum Mitnehmen.

Erste hl. Messen mit strengen Hygienemaßnahmen und begrenzter Teilnehmerzahl waren erst wieder ab 4. Mai erlaubt. Unsere Kindergärten sind noch immer geschlossen. Dank dem PGR, der mit seinem Einsatz aus vielen Ordnern die Gottesdienste ab 10. Mai 2020 wieder zu einem geregelten Leben mit allen Sicherheitsvorkehrungen zurückführte.

Wir werden eine sehr lange Zeit mit dem Virus leben lernen müssen.

Einmalig in der Geschichte unserer Pfarrei

Dass unsere Gläubigen die Hl. Messen seit sieben Wochen nicht persönlich mitfeiern durften, ist einmalig in der fast 100-jährigen Geschichte unserer Pfarrei. Seit der Benediktion der damals eben fertig erbauten Wolfgangskirche am 3. März 1940 wurden darin 80 Jahre lang durchgehend täglich Hl. Messen bis zum 17. März 2020 immer mit den Gläubigen gefeiert, unterbrochen nur durch die Bombardierung am 28. Dezember 1944 bis zur Wiedereröffnung am 19. März 1948, ein Jahr vor der feierlichen Kirchweihe. Aber auch während dieser schweren drei Aufbaujahre nach dem Krieg konnten die Gläubigen immer und jederzeit auf die hl. Messen in der Krypta und in St. Vitus ausweichen. Ein Ausweichen irgendwohin für einen Messbesuch war in diesen letzten 48 Tagen jedoch nicht möglich.