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Auszug aus dem Hirtenwort unseres Hwgst. Herrn Bischofs als Trostwort zur gegenwärtigen Pandemie-Lage

Bereits zum zweiten Mal wende ich mich an Sie unter den Bedingungen der Corona-Pandemie! Fast ein ganzes Jahr schon liegt die Bedrohung durch das Virus wie ein Schatten über unserem Leben. Allein in unserem Land sind mittlerweile 70.000 Menschen an oder mit einer Corona-Infektion verstorben. Weltweit sind es zweieinhalb Millionen. Europaweit wird heute ihrer gedacht und für sie gebetet.

Aber nicht nur die Gefahr der Ansteckung und die Unberechenbarkeit der Krankheit machen uns zu schaffen, sondern auch die Folgen der Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen. Ganze Wirtschafts-zweige liegen darnieder mit unabsehbaren Folgen für viele Betriebe und Existenzen. Alte und kranke Menschen leiden unter den Kon-taktbeschränkungen. Vor allem aber die Kinder und Jugendlichen sind betroffen: Die Begegnung mit Gleichaltrigen im Kindergarten, in der Schule, im Verein, in der Gruppenstunde, bei Sport und Spiel ist lebenswichtig – und kann doch seit fast einem Jahr kaum oder nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen stattfinden. Psychologen rechnen mit enormen negativen Folgen.

Als Kirche sind wir in unseren verschiedenen Lebensräumen wie Familien, Pfarreien, Verbänden, Vereinen, caritativen Einrichtungen, Schulen und dergleichen von der Pandemie nicht mehr und nicht weniger betroffen als alle anderen gesellschaftlichen Gruppen auch. Die vom Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit ermöglicht es uns freilich, gemeinsam und öffentlich Eucharistie und andere Gottesdienstformen zu feiern. Damit können wir das kirchliche Leben in seinem Zentrum aufrechterhalten und den Trost des Glaubens sowie die Gebetsgemeinschaft erfahren. Dafür sind wir sehr dankbar. Die staatlich angeordneten Einschränkungen wie etwa das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung oder den Verzicht auf gemeinsames Singen nehmen wir in Kauf.

Von Herzen danke ich Ihnen für die Geduld und die Disziplin. Auch staatliche Stellen haben uns mehrfach attestiert: Von den Gottesdiensten der großen Kirchen ging und geht keine Gefahr aus. Dazu haben viele von Ihnen besonders beigetragen: vor allem im Ordnungs- oder besser „Begrüßungs“-Dienst, beim Reinigen und Desinfizieren der Bänke usw. Danke für allen Einsatz! „Wir lassen nichts ausfallen, wir lassen uns etwas einfallen.“ Das war und das bleibt vorerst unser Motto. Danke für allen Mehraufwand, danke für alle Solidarität und Rücksichtnahme in diesen Zeiten, in denen wir besonders sensibel füreinander da sein müssen.

Dennoch: Die Pandemie ist für uns alle eine enorme Herausforderung. Menschlich, gesellschaftlich, aber auch geistlich-religiös.

Manchmal überkommt mich ein tiefer Ärger über diese so belastende und auf den ersten Blick so sinnlos erscheinende Pandemie, die uns nun schon ein ganzes Jahr „geraubt“ hat und deren Ende noch immer nicht absehbar ist. Mit den Worten von Psalm 13 klage ich: „Wie lange noch, Herr, vergisst Du mich ganz? […] Wie lange noch muss ich Schmerzen ertragen in meiner Seele, in meinem Herzen Kummer Tag für Tag?“ (V. 2f.).